Familiengerechte Stadt

Thesen für eine familiengerechte Stadt

Präambel:

Eine familiengerechte Stadt ist eine lebenswerte Stadt für alle Generationen. Aus diesem Grund ist familiengerechte Politik eine Querschnittsaufgabe, die viele unterschiedliche kommunalpolitische Felder berührt. Inwieweit eine Stadt familiengerecht oder -freundlich ist, ist davon abhängig, in welchem Maße sie die Kriterien in der Breite erfüllt. Sie muss ganzheitlich betrachtet und gemessen werden.

Die SPD Erftstadt hat bereits in ihrem Wahlprogramm für das Jahr 2009 (www.das-wird-anders.de) zu nahezu allen kommunalpolitischen Handlungsfeldern, die maßgeblich für eine familiengerechte Stadt sind, konkrete Vorstellungen erarbeitet. Das vorliegende Thesenpapier orientiert sich an den damals beschlossenen Zielen.

Die Stadt Erftstadt hat sich in den letzten Jahren stark auf den Ausbau von Kindertagesstätten konzentriert und damit auch bundes- und landespolitische Ziele zu erfüllen versucht. In diesem Bereich wurde ein Großteil der finanziellen Ressourcen gebunden. Dies hat in anderen Bereichen zu erheblichen Investitionsstaus geführt. Wir müssen feststellen, dass die Konzentration eines Großteils der zur Verfügung stehenden Ressourcen auf nur eine Familienphase den Anforderungen an eine familiengerechte Stadt nicht genügt. 

1. Nachhaltigkeit:

Eine familiengerechte Politik ist immer eine Politik, die auf Nachhaltigkeit bei den finanziellen und natürlichen Ressourcen setzt. Eine Politik, die dazu führt, Schuldenberge aufzutürmen, die dann letztendlich die Kinder der heutigen Familien zahlen müssen, ist nicht familienfreundlich. Eine Politik, die nicht auf den Erhalt der Umwelt achtet, die ungebremst Energie und Flächen verbraucht, ist keine familienfreundliche Politik. 

Rat und Verwaltung müssen gemeinsam alles unternehmen, die Finanzen in Erftstadt auf eine solide Basis zu stellen. Die Ausgaben müssen auf gemeinsame Ziele konzentriert werden. Die Einnahmebasis muss erweitert werden, so unter anderem durch eine wirtschaftliche Tätigkeit der Kommunen im Bereich der erneuerbaren Energien. 

Die Umsetzung der im Folgenden genannten konkreten Maßnahmen ist nicht zuletzt davon abhängig, welche finanziellen Ressourcen der Stadt zur Verfügung stehen. Rat und Verwaltung müssen jedoch gemeinsam die Ziele für eine familiengerechte Politik definieren. Sie müssen Prioritäten setzen und diese dann konsequent verfolgen. 

2. Teilhabe:

Die SPD-Fraktion bekennt sich zur uneingeschränkten Teilhabe aller Familien am gesellschaftlichen Leben in Erftstadt. Das gilt sowohl für Familien mit niedrigem Einkommen als auch für Familien mit behinderten Familienmitgliedern. Das Prinzip der Inklusion muss sowohl in den Kindergärten und Schulen als auch im täglichen Leben (Einkaufen, Mobilität, Freizeit usw.) langfristig gewährleistet werden. 

Zu prüfen ist, ob die Regelungen zur Teilhabe von einkommensschwachen Familien ausreichend sind. Die Wiedereinführung einer Erftstadt-Card ist zu prüfen.

Wichtig ist ein Abbau der vielen kleinen und großen Barrieren im Alltag. Der barrierefreie Zugang zu öffentlichen Einrichtungen, zum ÖPNV oder zu Geschäften, Arztpraxen und anderen ist eine ständige Aufgabe. Der Abbau von Barrieren dient älteren Menschen, Behinderten, aber auch jungen Familien in gleichem Maße. Wo auf einem Bürgersteig zu wenig Platz für einen Rollstuhlfahrer ist, ist auch zu wenig Platz für das Durchkommen mit dem Kinderwagen. 

Bei der Sanierung der Realschule in Liblar wurde diese auch behindertengerecht umgebaut. Diese Maßnahme zeigt in vorbildlicher Weise, was möglich ist, aber auch, welche schwierige und aufwendige Aufgabe es ist, eine öffentliche Einrichtung nachträglich behindertengerecht umzubauen. Auch beim Umbau des Bürgerplatzes wurde auf Barrierefreiheit großen Wert gelegt. 

Die SPD-Fraktion macht sich dafür stark, dass die Stadt noch in dieser Ratsperiode einen Familienbericht erstellt, der die Situation der Familien in der Stadt dokumentiert und einen Handlungsrahmen für die Verbesserung der Situation aufweist. 

3. Bezahlbarer Wohnraum:

Junge Familien fragen verstärkt bezahlbaren Wohnraum nach. In Erftstadt spielt dabei vor allem auch ein Angebot an preiswerten Eigenheimen eine große Rolle. Die Grundstücksgrößen und die Festsetzungen im Bebauungsplan im Neubaugebiet Liblar (Villehang) entsprechen diesen Vorgaben nicht. Die Grundstücke sind zu teuer, die dort vorgesehene Bebauung ist für das Gros der jungen Familien nicht finanzierbar.

Das Angebot für junge Familien aus Erftstadt selbst als auch für zuzugswillige junge Familien von außerhalb muss wieder verbessert werden. Die Eigenheimförderung im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus ist für junge Familien oft die einzige Möglichkeit, Wohneigentum zu erwerben. Flächen- und energiesparende Bauformen wie Reihen- und Doppelhäuser bieten gleichzeitig eine bezahlbare Kombination aus Wohnen und Garten. Durch eine solare Bauleitplanung und energieorientierte Bauausführung lassen sich langfristig Energiekosten senken und teilweise sogar vermeiden (Wärmeversorgung). In zentralen Siedlungsbereichen lassen sich die Energiekosten durch gebäude- oder blockgebundene Systeme (Solarthermie, Klein-BHKW’s, PV-Anlagen mit Eigenverbrauch) bzw. durch Nahwärmeversorgungen (auf der Basis der Kraft-Wärmekopplung bzw. unter Nutzung lokaler nachwachsender Rohstoffe) begrenzen. Die Nahwärmenetze der Schulzentren in Lechenich und Liblar sowie die beabsichtigte BHKW-Nutzung im Hallenbad Liblar sind erfolgreiche Beispiele dazu. Voraussetzung für Preisstabilität und den lokalen Werterhalt ist der Betrieb solcher Netze durch kommunale Träger (z. B. Stadtwerke) oder Bürgergenossenschaften.

Der genossenschaftliche Wohnungsbau muss gefördert werden. Es bedarf städtischer Aktivitäten, den Wohnungsbestand insbesondere auch für junge Familien stärker zu erschließen (zum Beispiel Leerstandsmanagement, Erhalt altersgemischter Wohnstrukturen). Die Stadt muss verstärkt die Erprobung neuer Wohnformen (zum Beispiel durch Bereitstellung subventionierten Baulandes, Beratung potenzieller Bauherren) und den altersgerechten Umbau des Bestandes (zum Beispiel durch Wohnraumberatung) unterstützen.

Ältere Menschen wollen solange wie möglich im vertrauten Wohnumfeld leben. Dazu sind erhebliche Anpassungen in der Wohnung, aber auch am Wohnumfeld erforderlich. 

Wohnraum muss vermehrt da geschaffen werden, wo der Einsatz alternativer Verkehrsmittel (Fahrrad) möglich ist und einfache und kostengünstige Anschlüsse an den ÖPNV bestehen.

4. Mobilität (Bus, Bahn, PKW, Fahrrad):

Der Grad der Mobilitäthat eine ganz zentrale Bedeutung für eine familienfreundliche Stadt. Das derzeitige Angebot von Bus, Bahn und Anrufsammeltaxi (AST) ist weit davon entfernt, familiengerecht zu sein – weder in der Stadt selbst, noch über die Stadtgrenze hinaus. Der Nachholbedarf (Angebot/Qualität auf der DB-Strecke, Ausbau Bahnhof Liblar, gute Erreichbarkeit der einzelnen Stadtteile und weiterführenden Schulen, Schnellbuslinien zu Bahnhöfen in Brühl oder/und Kerpen-Horrem) ist groß. Die erforderlichen Investitionen sind hoch. Die Infrastruktur für alternative Verkehrsarten, etwa das Fahrrad (Radwege, Fahrradabstellplätze, Wegweisung) muss ausgebaut werden.

Aufgrund der stetig steigenden Kosten der Mobilität spielt das Angebot von Bus, Bahn und Anrufsammeltaxi, die Infrastruktur für alternative Verkehrsarten und die Erreichbarkeit von Arbeitsplatz, Schulen, Geschäften, Arztpraxen, Behörden usw. bei der Wahl des Wohnstandortes eine immer größere Rolle. Ein Mobilitätsangebot, dass dazu führt, dass ein Elternteil – insbesondere ein teilzeitbeschäftigtes Elternteil – täglich zwei, drei oder mehr Stunden für die Hin- und Rückfahrt zum Arbeitsplatz braucht, ist schlichtweg familienfeindlich.

Jungen Familien mit Kindern den Zuzug nach Erftstadt schmackhaft zu machen, wird nur gelingen, wenn auch die Mobilität in Erftstadt deutlich verbessert wird. Die Kosten der Mobilität nehmen aufgrund der Preissteigerungen bei der Energie einen immer höheren Stellenwert bei der Auswahl des Wohnstandortes ein.

Die Optimierung des Anrufsammeltaxis, die Einführung eines Stadtbussystems, von Bürgerbuslinien oder Schnellbuslinien sind finanziell nur durch lokale Wertschöpfungen z. B. im Energie- oder Ver- und Entsorgungsbereich zu finanzieren.

Die SPD-Fraktion strebt den schnellen Aus- und Umbau des Bahnhofes und des Bahnhofumfeldes an. Sie konzentriert sich dabei auf das Machbare (Ausbau Parkplätze, Ausbau der Zuwegung zum Bahnhof, Bau eines Kiosk mit Toilettenanlage, Bau einer Fahrradabstellstation). Die Mehrheit des Rates hat sich an diesen Vorstellungen bei seiner Beschlusslage orientiert. Von der Bahn erwartet die SPD-Fraktion, dass sie ihre Zusagen einhält und zügig den Bahnhof selbst modernisiert. Jedenfalls hat der Rat seine Hausaufgaben durch die entsprechenden Beschlüsse gemacht.

5. Arbeitsplätze und Fortbildung:

Ortsnahe Arbeitsplätze, vor allem im Teilzeitbereich, sind ein ganz wesentlicher Beitrag zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch Heimarbeitsplätze, deren Qualität und Zahl von schnellen Internetzugängen abhängig ist, sind Bestandteil einer familienfreundlichen Arbeitsmarktpolitik. Der Zugang zum schnellen Internet ist in den letzten zwei Jahren entscheidend verbessert worden. Rat und Verwaltung müssen nun ihre Anstrengungen intensivieren, Firmen anzusiedeln, die entsprechende Teilzeitarbeitsplätze anbieten.

Verstärkt werden muss auch das Bildungsangebot. Die Möglichkeit, sich während der Familienphase für den Arbeitsmarkt qualifizieren zu können, ist ein unerlässlicher Bestandteil einer familiengerechten Politik. Rat und Verwaltung müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Volkshochschule sich dieser Aufgabe zukünftig noch intensiver stellen kann.

6. Gute Einkaufsmöglichkeiten:

Gute Einkaufsmöglichkeiten sind ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des Wohnstandortes und tragen maßgeblich zur Attraktivität einer Stadt bei. Sie sind auch ein Gradmesser für die Familienfreundlichkeit einer Stadt. Der Nachholbedarf ist groß. Vor allem Fachgeschäfte fehlen, insbesondere auch in den Branchen, deren Angebot von Familien verstärkt nachgefragt wird (Kinderkleidung, Spielzeug). Wichtig ist die Versorgung mit Angeboten des täglichen Bedarfs (Vollsortimenter, Discounter etc.). In diesem Sektor hat Erftstadt einen guten Standard. 

Handlungsbedarf besteht in Raum Köttingen/Kierdorf. Erforderlich ist der Ausbau des Angebots an Fachgeschäften, vor allem im Bekleidungsbereich. Der Wirtschaftspark muss seinen Beitrag zur Verbesserung des Einzelhandels in Erftstadt leisten. Mit der Verabschiedung des von der SPD-Fraktion geforderten Einzelhandelskonzeptes ist ein erster Schritt zu einer besseren Versorgung der Bevölkerung gemacht worden. Weitere Schritte müssen folgen. Die Handlungsempfehlungen aus dem Gutachten müssen konsequent umgesetzt werden.

In den kleineren Stadtteilen ist der vermehrte Einsatz „Rollender Läden“ oder die Bildung von Einkaufsgemeinschaften (z. B. in Verbindung mit einem Bürgerbussystem oder dem AST) zu unterstützen.

Die SPD-Fraktion geht davon aus, dass die Verwaltung zügig die Voraussetzungen dafür schafft, dass der SPD-Antrag zur Realisierung eines Lebensmittelmarktes am Ortseingang von Köttingen nach Kierdorf realisiert werden kann. Sie geht davon aus, dass der Investor im EKZ in Liblar seine Vorhaben nun schnell umsetzt. Sie erwartet, dass die Verwaltung einen Vorschlag unterbreitet, welche nicht-zentrenschädlichen Einzelhandelsbranchen im Wirtschaftspark angesiedelt werden können, und sich aktiv dafür einsetzt, dass diese Branchen dort auch angesiedelt werden. 

7. Gesundheit/Gesundheitsvorsorge:

Umfangreiche Angebote, die der Gesundheit und Gesundheitsvorsorge dienen, kennzeichnen eine familiengerechte Stadt. Eine gute und ortsnahe ärztliche Versorgung (Hausärzte, Fachärzten, Krankenhaus, Ärztehaus) erhöht die Attraktivität einer Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger. In dieser Hinsicht ist Erftstadt sehr gut versorgt. 

Kindergärten und Schulen leisten bereits heute erfolgreiche Arbeit in der Gesundheitsvorsorge. Das Angebot an sportlichen Aktivitäten in Vereinen ist groß. Das Angebot der Volkshochschule zur Gesundheitsvorsorge hat einen guten Standard erreicht. Es sollte weiter ausgebaut werden.

Gesundheitsvorsorge ist nur in einer gesunden Umwelt sinnvoll. Hierzu gehört neben einer engen Verbindung von Wohnen und Grün (innerörtliche Durchgrünung, vernetzte Park- und Erholungsbereiche, Anschluss an größere Naherholungsgebiete wie Ville-Wald und Erftaue) auch eine natur- und umweltgerechte Landnutzung im besiedelten Bereich und in der freien Landschaft. Lärmminderungsmaßnahmen entlang der Hauptverkehrsstraßen gehören ebenso dazu, wie der Verzicht auf die landwirtschaftliche Ausbringung von Antibiotika (Hühnertrockenkot und Klärschlamm) und die Sauberkeit unserer Gewässer.

8. Kindergärten, Ü3-/U3-Betreuung, Tagesmütter:

Kindergärten mit einem attraktiven und flächendeckenden Betreuungsangebot für Ü3-/U3-Kinder sind ein Muss für eine familiengerechte Stadt. Rat und Verwaltung haben in diesem Bereich in den letzten Jahren Hervorragendes geleistet. Finanziell sind sie weit über das Machbare hinausgegangen. Bis Sommer nächsten Jahres werden weitere Angebote (unter anderem in Dirmerzheim, Herrig, Blessem, Köttingen und Friesheim) geschaffen. Zur Ü3-Betreuung wird in Gymnich eine zusätzliche Gruppe in einem Wohnhaus eingerichtet. Die Zahl der Tagesmütter wird zudem erheblich ausgebaut.

Die SPD-Fraktion bekennt sich zum beschlossenen Ausbauprogramm der Betreuung für unter Dreijährige. Danach gilt es aber Bilanz zu ziehen, wo die Stadt bei der Kinderbetreuung im Vorschulalter steht. Weitere Planungen sind dann neben der Finanzierbarkeit und der Zuschüsse des Landes und des Bundes auch von der demographischen Entwicklung in Erftstadt abhängig. 

Nach der von allen vier Fraktionen getragenen Änderung der Gebührenstruktur sind weitere Anpassungen nicht mehr erforderlich. 

9. Schulen:

Ein vielfältiges Angebot an Grund- und weiterführenden Schulen ist ein wesentliches Markenzeichen für eine familiengerechte Stadt. Erftstadt verfügt derzeit über sieben Grundschulen, eine Hauptschule, zwei Realschulen und zwei Gymnasien. Dazu kommen die Förderschule in Friesheim und die Waldorf-Schule in Liblar. Die SPD hat maßgeblich zum Ausbau und Erhalt des dreigliedrigen Schulsystems in Erftstadt beigetragen.

Die SPD-Fraktion stellt fest, dass trotz der vielfältigen Investitionen in die Schulen (z. B. Sanierung Realschule Liblar, Sanierung Donatus-Grundschule, Erweiterung Mensa Lechenich) weiter erheblicher Handlungsbedarf besteht. Die hohe Zahl von über 1.000 zu den weiterführenden Schulen der Nachbarstädte abwandernden Schülern ist eine deutliche Abstimmung mit den Füßen. Einerseits fehlen stark nachgefragte Schulformen (Gesamtschule/Europaschule), andererseits hinken die Qualität und das Angebot einzelner weiterführender Schulen in Erftstadt hinter denen der Nachbarkommunen her. Notwendig sind Kooperationen zwischen den Schulen auf allen Ebenen, insbesondere in der Oberstufe zwischen den beiden Gymnasien. Der Ausbau der weiterführenden Schulen zu Ganztagsschulen hat in Erftstadt gerade erst begonnen und ist konsequent zu Ende zu führen. 

Die Zusammenlegung der beiden Hauptschulen in Lechenich hat für das Schulzentrum Liblar die Chance eröffnet, das räumliche Angebot für die Realschule und das Gymnasium erheblich zu verbessern. Die dadurch ermöglichte Einrichtung einer gemeinsamen Mensa wird das Ganztagsangebot in hohem Maße verbessern. Die für Schulzwecke vorgesehenen ehemaligen Räumlichkeiten der Carl-Schurz-Schule sollen nun vorrangig saniert werden. 

Handlungsbedarf besteht auch bei den Grundschulen. Die offene Ganztagsschule ist eine Ganztagsschule light. Die OGATA muss weiterentwickelt werden (Hinweis: Modell Grundschule Erp). Es müssen darüber hinaus mehr Plätze im Ganztagsbetrieb bereitgestellt werden. Die Prinzipien der verlässlichen Schule von 8.00 bis 13.00 Uhr müssen an allen Grundschulen gewährleistet sein. Der Ausstattungsstandard der Grundschulen und deren pädagogische Qualität sind sehr unterschiedlich. 

Sowohl Grundschulen als auch weiterführende Schulen müssen für die „Inklusion“ vorbereitet werden. Dazu ist ein geeignetes Konzept zu erstellen. Nicht alle Schulen können dafür hergerichtet werden. 

Die zurückgehenden Schülerzahlen sowie die dringend erforderliche Steigerung der Attraktivität der Schulen erfordert eine behutsame Anpassung des derzeitigen Schulsystems an die heutigen Herausforderungen und die demographische Entwicklung. Dazu bedarf es einer gemeinsam Kraftanstrengung von Rat, Verwaltung und Schulen. Zur Vorbereitung und zur Erarbeitung möglicher Lösungsansätze strebt die SPD-Fraktion die Gründung eines Arbeitskreises Schule 2025 an.

Das außerschulische Bildungsangebot (Sport, Musik, Umwelt) ist als Ergänzung zum schulischen Angebot zu stützen und weiter auszubauen. Wichtig ist hierbei die Integration in die Angebote der offenen Ganztagsschule. Unter dem Gesichtspunkt „‚Man kann nur erhalten, was man auch kennt“ ist die Einbeziehung von lokaler Umwelt und Natur von besonderer nachhaltiger Bedeutung. Die beiden Naturparkzentren Gymnicher Mühle und Friesheimer Busch bieten Erftstädter Kindergärten, Schulen und Verbänden eine weit über den Rhein-Erft-Kreis hinaus besondere Chance, die Umwelt vor der Haustür schätzen zu lernen.

10. Freizeitangebote für Familien:

Attraktive Freizeitangebote für Familien und Jugendlichesind Bestandteil einer familienfreundlichen Stadt. Das städtische Freizeitangebot ist mager. Über das Kinder- und Jugendzentrum in Köttingen, ein Jugendcafé in Lechenich oder Jugendräume in Bliesheim hinaus sind Investitionen in weitere Einrichtungen in städtischer Trägerschaft unabdingbar, zum Beispiel in die den Jugendlichen seit mehr als einem Jahrzehnt versprochenen Jugendräume/Jugendkulturhalle in Liblar. Die Attraktivität der vorhandenen Angebote (Hallenbad, Freibad, Spielplätze, Bolzplätze, Treffpunkte usw.) muss auf den Prüfstand und wo notwendig verbessert werden.

Im Bereich der Freizeit leisten die vielen Vereine in Erftstadt eine hervorragende Arbeit. Das Freizeitangebot allein den Vereinen zu überlassen, ist angesichts der demographischen Entwicklung (Überalterung einzelner Vereinsvorstände, Mangel an ehrenamtlichen Kräften) und den laufenden Änderungen unterworfenen Freizeitaktivitäten nicht mehr zu vertreten. Die Stadt selbst wird zukünftig stärker in den Bereich der Freizeitflächen investieren müssen, wenn sie im Wettbewerb um den Zuzug von Familien mit den Nachbarkommunen mithalten will. 

Eine sinnvolle Kombination städtischer Angebote, Veranstaltungen von Vereinen und kommerziellen Trägern ermöglicht ein abwechslungsreiches Freizeitangebot. Zur Erschließung regionaler Freizeitangebote sind ein entsprechendes Informationssystem (z. B. Interaktive Freizeitplaner des Naturparks) und eine ausreichende verkehrliche Erreichbarkeit unabdingbar. Die entsprechenden Verkehrsverbindungen (Nachtzugverbindungen Erftstadt-Köln etc.) sind zurzeit nicht ausreichend vorhanden (siehe Mobilität).

Ortsnahe Erholungsräume (Ville-Wald, Erftaue, Friesheimer Busch) und die Wege dorthin sind in Zusammenarbeit mit den Trägern (Naturpark, Landesbetrieb Wald und Holz, Rhein-Erft-Kreis) attraktiv und interessant zu gestalten und an die innerörtlichen Erholungsbereiche (Schlossparke, Lechenicher Promenade, Gesundheitsgarten und Stadtgarten) anzubinden. Die historische Römerstraße und der Planetenweg bieten hierzu Ansätze.

Das Sport- und Freizeitgelände des Römerhofparkes – mit der Erftaue als Verbindungselement zwischen Lechenich und Liblar – nimmt dabei mittel- bis langfristig eine zentrale Stellung ein.

11. Seniorinnen und Senioren:

Nicht allein lassen darf eine familienfreundliche Stadt Familien bei der Bewältigung der unterschiedlichen Wohn- und Pflegebedürfnisse bei älteren Angehörigen. Für Familien, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen selbst pflegen, ist ein engmaschiges Netz an Hilfen (Beratung, ambulante Pflegedienste etc.), vor allem auch in der Tagespflege, erforderlich. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf für einen Partner – es ist meist die Frau – nicht damit enden, dass er/sie für die Pflege der Eltern oder Schwiegereltern seinen/ihren Job aufgeben muss. Die Stadt hat hier die Aufgabe, Familien umfänglich zu beraten. Derzeit hat die Verwaltung dafür zwei Mitarbeiterinnen eingestellt. Es ist zu prüfen, ob aufgrund der demographischen Entwicklung die Beratung verstärkt werden muss. Nicht gelöst ist bisher das Problem einer Wohnraumberatung, deren Ziel es ist, den Wunsch vieler älterer Menschen zu erfüllen, solange wie möglich in ihrer vertrauten Wohnung zu leben. 

Das in Erftstadt praktizierte Modell einer ehrenamtlichen Seniorenbegleitung zeigt, was in diesem Bereich an ehrenamtlicher Arbeit geleistet werden kann. Dies hat Vorbildcharakter zur Erfüllung anderer gesellschaftlicher Aufgaben.

Der Bereich Wohnen im Alter, Beratung und Hilfestellungen wird zunehmend einen immer höher werdenden Stellenwert erhalten. Dieser Aufgabe müssen sich Rat und Verwaltung noch intensiver stellen. 

Insbesondere bei den „jungen Alten“ spielen die Themen der weichen Standortfaktoren (Mobilität, Freizeit, attraktive Umwelt) eine große Rolle. Radfahren, Walking etc. sind fast überall in Erftstadt möglich. Die noch vorhandenen Lücken und Hemmnisse (z. B. Qualität der Radwege, Parkplätze etc.) sind in enger Zusammenarbeit mit den Verbänden aufzuzeigen und mittelfristig zu beseitigen.

Fazit:

Das Angebot an Kindertageseinrichtungen erfüllt in Erftstadt die Ziele einer familienfreundlichen Stadt. In anderen Bereichen liegt aber noch ein langer und steiniger Weg vor Rat und Verwaltung. Welche Aufgaben bearbeitet werden müssen, sei im Folgenden noch einmal kurz zusammengefasst: 

Alle beabsichtigten Schritte sind unter den Gesichtspunkten Zukunftsfähigkeit und Generationengerechtigkeit zu bewerten. (Nachhaltigkeit)

Familienfreundlichkeit ist nur durch die Möglichkeit der Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen am täglichen Leben erreichbar. (Teilhabe)

Akzeptabler und bezahlbarer Wohnraum sichert die Grundlage einer familienfreundlichen Gesellschaft. (bezahlbarer Wohnraum)

Die Erreichbarkeit von lokalen Versorgungseinrichtungen und den Anschlusspunkten des Nah- und Fernverkehrs muss ausreichend gesichert sein. (Mobilität)

Leichte und kostengünstige Erreichbarkeit und eine auf Fortbildung basierende berufliche Mobilität ermöglichen eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (Arbeitsplätze und Fortbildung)

Erhalt eines wohnortnahen Grundversorgungsangebotes (fußläufig oder per Rad erreichbar) und Erweiterung des vorhandenen Einkaufsangebotes. (Einkaufsmöglichkeiten)

Erhalt eines umfassenden gesundheitlichen Grundversorgungsangebotes sowie umfassende Möglichkeiten der Gesunderhaltung und Gesundheitsvorsorge. (Gesundheit/ Vorsorge)

Erhalt und Erweiterung eines abwechslungsreichen Kindergartenangebotes; flexible quantitative Anpassung des Angebotes an die demografische Entwicklung. (Kindergärten)

Erhalt und Erweiterung eines hochwertigen Angebotes schulischer Bildung mit den erforderlichen Anpassungen aufgrund demografischer Entwicklungen. (Schulen)

Ein vielfältiges und damit attraktives Freizeitangebot für alle Generationen ist ein Grundstein einer familienfreundlichen Stadt. (Freizeit)

Alter hat Zukunft, deswegen sind alle städtischen Maßnahmen unter dem Gesichtspunkt einer älter werdenden Gesellschaft zu werten. (Seniorinnen und Senioren)

In den vergangenen Jahren hat sich Erftstadt – wie auch viele andere Kommunen – auf den Aus- und Neubau von Kindertagesstätten konzentriert, um damit bundes- und landespolitische Zielesetzungen zur Familienpolitik umzusetzen. Dies hat einen Großteil der kommunal verfügbaren finanziellen Ressourcen gebunden. Aus den oben zusammengefassten Überlegungen ergibt sich, dass zur Annäherung an das Ziel „Familiengerechte Stadt“ der Gesamtrahmen der Überlegungen und Investitionen zukünftig deutlich breiter zu fassen ist.

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